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(Ich) bin ein lust’ger Grenadier – Des Morgens – Morgens (3)


Version 2 – Vater Philipp

Version 2 beginnt wie Version 1, um dann aber einen völlig anderen Verlauf zu nehmen. Da dem Soldaten der Strohsack nicht gefällt,  geht er zu seinem Mädchen und verschläft prompt am nächsten Morgen den Zapfenstreich. Als Disziplinierungsmaßnahme schickt ihn daher der Hauptmann für fünf (drei) Tage in Arrest. Der Soldat zieht schlechte Kleidung an, nimmt sein Kommissbrot unter den Arm und geht frohen Mutes gemütlich ins Arresthaus. Dort erwartet ihn Vater Philipp, der ihm die Taschen durchsucht und in eine Zelle einsperrt.

Der Begriff „Vater Philipp“ stammt aus Berlin um 1818. Dort soll in dem Militärgefängnis ein Unteroffizier namens Johann Philipp Aufseher der Potsdamer Garnison gewesen sein.

In der engen kleinen Zelle (6) ist nur ein Pritsch. Der Soldat verfügt lediglich über ein Brot und einen vollen Wasserkrug für fünf Tage. Er liegt also mal links mal recht, mal auf dem Rücken und schon sind die Tage rum. Der Unteroffizier teilt Vater Philipp mit, dass er zu entlassen sei. (8) Am nächsten Morgen ist anscheinend pünktlich beim Mortenappell und wird ermahnt, sich zu benehmen. Die letzte, die zehnte Strophe bringt die soldatische Moral:

10. Wer nie bei Vater Philipp war
Und sein Kommissbrot trocken aß,
Wer keine Nacht ist durchgebrannt,
Der wird auch kein Soldat genannt.

Besonders die zweite Zeile erinnert natürlich sehr an Falladas „Wer einmal aus dem Blechnapf frisst“

Quellen:
Klabund [Alfred Henschke], Das deutsche Soldatenlied, wie es heute gesungen wird, München 1916. S. 129f.
Weltkriegs-Liedersammlung. Mit Unterstützung der Welkriegsbücherei-Stuttgart, der Deutschen Bücherei-Leipzig und zahlreicher Kriegsteilnehmer bearbeitet und ausgewählt, Dresden 1926, S. 566f.


Die Lieder der Versionen 3 und 4 lassen die erste Strophe weg und nehmen ihnen somit den offensichtlichen militärischen Bezug.


Version IIIa – Das Bullenlied und der Artillerist (Stallbursche?)

Das Bullenlied dürfte eine Variante unsers „lustigen Grenadiers“ sein. Es schildert die besondere Stellung des „Küchenbullen“ des Militärs jener Tage. [siehe hier]
Marschlied der Grendadiere

1. Bin ein lust’ger Grenadier,
Niemals ich den Mut verlier,
Diene meinem König treu,
Meinem Mädchen auch dabei.
Juchheidi heidi heida! etc.

2. Morgens wenn ich früh aufsteh
Und zum Exerzieren geh,
Dann beschau ich mir vorher
Meinen Säbel und Gewehr.
Juchheidi etc.

3. Der Sergeant thut inspzieren,
Säbel und Gewehr rev’dieren,
Jeden Knopf besieht er sich,
Schimpft dabei ganz fürchterlich.
Juchheidi etc.

4. Unser Leutnant spricht sodann:
„Kommt er mir noch ’mal so ’ran,
Schlägt, ich schwörs bei Stein u. Bein,
Ein Kreuzmillionendonnerwetter drein!“
Juchheidi etc.

5. Unser Feldwegel Knickebein
Theilt die Kompagnie dann ein,
Theilt die Züge groß und klein
Auch i Sektionen ein.
Juchheidi etc.

6. Unser Hauptmann der ist gut,
Wenn er sein Liesel reiten thut;
Aber wie wirds dann aussehn,
Wenn er muß zu Fuße gehn?
Juchheidi etc.

7. Auf dem Marsch ein lustges Lied,
Aus der Flasch’ ein tüchtger Hieb,
Der uns durch die Kehle pfeift -
Das macht das Marschieren leicht.
Juchheidi etcheidi heida! etc.



Quelle:
Ludwig Erk u. Franz Magnus Böhme, Deutscher Liederhort, Bd. 3, Leipzig 1925, Nr. 1327, S. 210f.


Das gleiche gilt für den Soldaten, der sich um den Rappen kümmert. Ob er ein Stallbursche oder der Artillerist ist wissen wir nicht. Wer mehr weis, bitte melden. [siehe hier]


Version IIIb – Das Bullenlied und der Artillerist (Stallbursche?)




Version 4 – Das Schornsteinfegerlied

Die kurzen Zeilen, die Hans Ostwald in seinen „erotischen Volksliedern“ überliefert hat, dürften wohl eindeutig das Lied des lustigen Grenadiers zum Vorbild gehabt haben.

„Wenn ich des Morgens früh aufstehe und zum Schornsteinfegern gehe
so beseh ich wohl vorher meinen Besen hin und her.“

Ähnliches dürfte auch für die Fassungen gelten, die Oskar Schade 1865 dokumentiert hat (Schornsteinfegerlied und Glaserlied) mit dem jeweiligen Liedanfang: „Des Morgens wenn ich früh aufsteh“.
[Hier]

Die ältere Version zum Thema des Liedes benennt Friedrich Nicolai 1777: ’S Morgens wenn ich fru aufstee“ (Eyn Schlottfeger Lyd). Übenommen hat die Version des Schornsteinfegerliedes 1838 A. Kretzschmer (Nr. 222, S. 296f.).



gleiche Liedanfänge der ersten bzw. zweiten Strophe:

Bin ein lustger Grenadier,  
Wenn ich des M-Kalb,
Wenn ich des Morgens (Bullenlied),
Wenn ich des M-Rappen,
Wenn ich des M-erotik,
Wenn ich des M-relig,



Quellen, Literatur
August Angenetter und Emil Karl Blümml, Lieder der Einserschützen, Wien 1924. A51, S. 150.
Klabund [Alfred Henschke], Das deutsche Soldatenlied, wie es heute gesungen wird, München 1916. S. 129f.
Johannes Künzig, Lieder der badischen Soldaten, Leipzig 1927 (Ausgabe A+B). Nr. 10, S. 15f. u. 182.
Artur Kutscher, Das richtige Soldatenlied. Berlin 1917;
Johann Lewalter, Reichswacht. Soldaten - Matrosen und Vaterlandslieder, Kassel 1918, S. 140f.
John Meier, Das deutsche Soldatenlied im Felde, Straßburg 1916 (Trübners Bibliothek, 4).
Liederbuch. Den Kgl. Sächs. Krieger- und Militär-Vereinen der Amtshauptmannschaft Rochsitz gewidmet vom Kgl. Sächs. Krieger-Verein Mittweida, Mittweida 1897, Nr. 50, S. 56ff.
Liederbuch des Train-Bataillons Nr. 12, Styrum (Bez. Düsseldorf), Verlag von Ad. Spaarmann, K. Hofbuchhändler, o.J. Nr. 77, S. 43f.
Hans Ostwald, Erotische Volkslieder aus Deutschland, Berlin 1910, S. 121
Louis Pinck, Verklingende Weisen. Lothringer Volkslieder, Metz 1928, Bd. 2 Nr. 1, S. 11f. u. S.
Soldaten- und Vaterlandslieder. Eine Sammlung der bekanntesten Soldaten-, Kriegs- und Vaterlandslieder in alphabetischer Reihenfolde der Liederanfänge, Reutlingen o.J. (um 1914) Nr. 45, S. 28.
Weltkriegs-Liedersammlung. Mit Unterstützung der Welkriegsbücherei-Stuttgart, der Deutschen Bücherei-Leipzig und zahlreicher Kriegsteilnehmer bearbeitet und ausgewählt, Dresden 1926, S. 78f.