Schejne liebe Kalle

1. Schejne, liebe Kalle,
Her, ich sog dir vo:
Dain Masel soll dir schainen
wie die Sunn is klor!
 
2. Chejn sollstu gesinen
bei Gott un bai Lait;
Licht sollstu bentschen
Zu der rechter Zait.  
 
3. Mehl sollstu kejfen
Welwel oder tajer;
Challe sollstu nehmen
un warfen in Faier.  
 
4. Fleisch sollstu kejfen,
koscher sollstu machen;
dos wert doch gerechnet
far alle jidische Sachen.  
 
5. Twile sollstu gehen
zu der rechten Zait,
westu hoben Kinder -
gute frumme Lait.  
 
6. Schejne, liebe Kalle,
hit dich var a Sind!
Allz wert opgerechnet,
wenn men gejht zu Kind.  

Brautlied

1. Schönes, liebes Bräutchen,
hör’, was ich dir sag’:
Soll das Glück dir scheinen
wie der lichte Tag!  
 
2. Gnade sollst du finden
bei Gott und bei den Leut’,
Lichter sollst du zünden
zu der rechten Zeit.  
 
3. Mehl sollst du kaufen,
wohlfeil oder teuer,
Challes sollst du „nehmen“
und werfen ins Feuer.  
 
4. Fleisch sollst du kaufen
und es koscher machen,
dises wird gerechnet
zu den jüdischen Sachen.  
 
5. Ins Bad sollst du gehen
zu der rechten Zeit,
dann wirst du Kinder haben -
gute, fromme Leut’.  
 
6. Schönes, liebes Bräutchen,
Hüt’ dich vor der Sünd’!
Alles wird sich rächen,
wenn du kriegst dein Kind!

Andere Titel:
Text: unbekannt (trad.)
Melodie: unbekannt (trad.)
Noten: [Eliasberg Nr.35]
Vorlage:
Zeit: 1918,
Geschichte / Kommentar: 

Das Lied haben wir der Liedersammlung „Ostjüdische Volkslieder“ von Alexander Eliasberg übernommen, der dazu folgende Quellenangabe gibt:

Quellenangabe:
Cah. Bd. II, Nr. 1, 37. Warschau.

Außerdem noch folgende Worterklärung:

Str. 1, Z. 1: Kalle (h) = Braut. Z. 3: Masel (t) = Geschick, glücksteern. In den Strophen zwei bis fünf werden die vornehmsten religiösen Pflichten der jüdischen Frau aufgezählt.
St. 2, Z, 1: Chejn (h) = Gnade, Wohlgefallen.
Z. 3: bentschen (von latein. benedicere) = einen Segensspruch verrichten. Lichter bentschen = Lichter am Vorabend von Sabbat und Feiertag anzünden.
Str. 3, Z. 2: welwel (d) = wohlfeil. Z. 3: Challe (h) = Weißbrot für Sabbat und Feiertag. Beim Backen der Challe wird ein Stück des Teiges ins Feuer geworfenM; das nennt man „Challe nehmen“.
Str. 4, Z. 2: Fleisch koscher machen =


Quelle:
Alexander Eliasberg, Ostjüdische Volkslieder, München 1918, Nr. 35, S. 118 (Noten S.216)


 
 
 
 
 
 
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